Hast du das Gefühl irgendetwas stimmt mit dir nicht? Vielleicht bist du immer auf Achse, kannst so gut, wie nie entspannen und musst immer etwas tun. Ausruhen und einfach mal die Beine hochlegen, fällt dir schwer, weil du eine innere Unruhe verspürst? Oder du fühlst dich manchmal ganz schwer und hoffnungslos, sodass es dir schwerfällt aufzustehen? Die Ursache dafür könnte komplexes Trauma sein.

All diese beschriebenen Gefühlszustände können Symptome eines komplexen Traumas sein. Aber was ist ein komplexes Trauma überhaupt? Wenn du an Trauma denkst, fallen dir bestimmt einige Stichworte ein. Angst, Krieg, Unfälle, Naturkatastrophen und so weiter.

Damit liegst du auch goldrichtig, denn solche Erlebnisse können durchaus zu einem Trauma führen. Dennoch gibt es noch viele weitere Situationen, die uns Menschen überwältigen können, sodass wir traumatisiert daraus hervorgehen.

Trauma ist die normale Reaktion unseres Körpers auf eine lebensbedrohliche Situation in unserem Leben. Trauma ist ein Erlebnis oder eine Reihe von Erlebnissen, die unser zentrales Nervensystem überfordern. Es tritt auf, wenn unsere Fähigkeit uns zu verteidigen, zu schützen oder nein zu sagen überwältigt wird. Wenn du dich fragst, wie unser Nervensystem überhaupt funktioniert, kannst du meinen Artikel „Aus dem Shutdown in die Lebendigkeit – so funktioniert dein Nervensystem“ lesen.

Unser Körper und unser Gehirn versuchen um jeden Preis zu verhindern, dass wir eine solche Erfahrung nochmal machen müssen. Aus diesem Grund besitzen wir vielfältige Mechanismen, die uns schützen und warnen.

Trauma vs. Komplexes Trauma – die Unterschiede

Während das Wort Trauma meist für die Benennung eines Schocktraumas nach einmaligen Ereignissen, wie zum Beispiel einem Autounfall genutzt wird, umfasst die Bezeichnung „komplexes Trauma“ wiederholt auftretende traumatische Ereignisse.

Komplexes Trauma entsteht also nach dem Erleben langanhaltender oder wiederholter Ereignisse, die unser Nervensystem überwältigen. Meist treten diese traumatischen Ereignisse bereits im Kindesalter auf und prägen das Gehirn des Kindes. Diese Art komplexen Traumas wird dann als „Entwicklungstrauma“ bezeichnet. Länger andauernde emotionale Vernachlässigung durch die engsten Bezugspersonen kann ebenfalls komplexes Trauma und eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung hervorrufen. Als Folge bringen Furcht und Scham des Kindes einen inneren Kritiker hervor, der das Kind und später den Erwachsenen kontinuierlich abwertet. Außerdem ist das Nervensystem des Kindes dauerhaft auf der Suche nach potenziellen Gefahren. Diese Alarmbereitschaft bleibt dann bis in unser Erwachsenenalter erhalten und führt dazu, dass wir kontinuierlich wie unter Strom stehen.

Beispiele für komplexes Trauma

Ich könnte an dieser Stelle eine lange Liste von grausamen Ereignissen in diesen Blogartikel einfügen, die alle zu komplexen Traumatisierungen führen. Ich denke jedoch, dass es viel wichtiger ist, über die weniger offensichtlichen Ursachen für komplexes Trauma zu sprechen.

Vor allem die traumatisierenden Ursachen für „Entwicklungstrauma“ bzw. Bindungstrauma in der Kindheit oder pränatales Trauma möchte ich gern thematisieren. Neben komplizierten Schwangerschafts- oder Geburtsverläufen, zählen ebenfalls eine frühe Trennung von der Mutter, beispielsweise durch Krankenhausaufenthalte, zu den Ursachen komplexen Traumas in den ersten Lebensjahren.

Ebenso können gestörte Bindungen zu den wichtigsten Bezugspersonen zu komplexem Entwicklungstraumatisierungen führen. Gelingt es Bezugspersonen nicht, eine stabile emotionale Bindung zu ihrem Kind aufzubauen, ist auch das langfristig ein traumatisches Erlebnis für das Kind. Es versucht emotional immer wieder eine Verbindung mit den Bezugspersonen herzustellen.

Gelingt ihm das nicht, fällt es auf sich selbst zurück. Glaubenssätze wie: „Ich bin nicht liebenswert.“ Oder „Ich bin falsch.“ verankern sich dadurch im Gedächtnis des Kindes. Außerdem geht der Zugang zu eigenen Wünschen und Bedürfnissen des Kindes verloren, weil es sich stattdessen nach außen orientiert. Es beobachtet, was es tun muss, um geliebt zu werden und mit den Bezugspersonen in Verbindung zu kommen.

Die fehlende Verbindung zu den Bezugspersonen fühlt sich für ein Baby lebensbedrohlich an, da es vollständig abhängig von ihnen ist. In einem solchen Fall steht ihm keine erwachsene Bezugsperson zur Verfügung, um die eigenen überwältigenden Emotionen zu regulieren. Diese emotionale Überwältigung allein zu tragen, ist für Babies eine traumatische Erfahrung.

Wie entstehen komplexe Traumatisierungen & komplexe posttraumatische Belastungsstörungen?

Wenn wir ein traumatisches Ereignis erleben, aktiviert das unser limbisches System im Gehirn. Du kannst dir die Reaktion unseres Gehirns, wie eine Art Feueralarm vorstellen. Unser Körper fährt dann sämtliche Funktionen, die er nicht für Kampf oder Flucht benötigt, herunter. Außerdem schüttet er Stresshormone, wie Kortisol aus.

Bestimmte Areale unseres Gehirns gehen während eines traumatischen Erlebnisses offline. Rationales Denken ist dann nicht mehr möglich und es geht nur noch um das pure Überleben. Die traumatische Erinnerung wird nicht wie normale Erinnerungen abgespeichert, sondern isoliert als abgespaltenes Fragment.

Triggert eine Situation unser Nervensystem, die an das traumatische Ereignis erinnert, dann ist es unserem Gehirn nicht möglich, auf andere Bereiche und Informationen fernab des abgespaltenen Erinnerungsfragments zuzugreifen. Es gelingt ihm nicht die traumatische Erinnerung mit anderen Informationen zu verbinden und zu bemerken, dass die Situation eigentlich harmlos ist. Unserem Nervensystem bleibt nichts anderes übrig, als anzunehmen, wir seien wirklich in Gefahr.

Eigentlich führt uns der parasympathische Zweig unseres Nervensystems wieder zurück zu Entspannung und innerer Ruhe, wenn die Gefahr gebannt ist. In diesem Zustand kehren unsere kognitiven Fähigkeiten zurück und wir haben wieder Zugriff auf unsere Großhirnrinde, mit der rationales Denken möglich ist.

Menschen, die mit komplexem Trauma leben, können nicht so einfach zur Balance ihres Nervensystems zurückkehren. Ihr limbisches System ist die meiste Zeit aktiviert. Ihr Körper versucht mit dieser Strategie Sicherheit herzustellen und sie zu schützen. Sie leiden häufig an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, die eine schwerere Form der Posttraumatischen Belastungsstörung ist. Diese äußert sich vor allem durch einen vernichtenden inneren Kritiker sowie emotionale Flashbacks. Diese Flashbacks thematisiere ich im folgenden Abschnitt noch genauer. Sie sind dazu in der Lage, ohne realen Anlass Flucht- oder Kampfimpulse auszulösen.

Menschen, die komplexes Trauma erlebt haben, befinden sich dauerhaft in einer Art Überlebensmodus bzw. Kampf-, Flucht- oder Freeze-Modus.
Mit der Zeit wird dieser Zustand für sie alltäglich und normal. Vielleicht ahnst du bereits, in welchen Symptomen sich ein so aus der Balance geratenes Nervensystem äußert. Im folgenden Abschnitt schauen wir uns die Symptome eines komplexen Traumas genauer an.

 

Komplexes Trauma Symptome und wie sie dein Leben beeinflussen

Traumatischer Stress ruft meist eines von drei verschiedenen Mustern der Dysregulation unseres Nervensystems hervor:

Entweder

  1. Wir stecken im Kampf- und Fluchtmodus fest

Oder

  1. Wir bleiben im Freeze-Modus stecken

Oder

  1. Wir wechseln nach einer langen Zeit im Fight-Flight-Modus in den Freeze-Modus

Variante eins fühlt sich so an, als könntest du deinen Fuß nicht vom Gaspedal lösen. Du gibst die ganze Zeit Vollgas. Dir fällt es schwer dich zu entspannen oder abzuschalten. Du erschrickst dich leicht, deine Gedanken rasen und vielleicht plagen dich Angstzustände. In deinen Beziehungen bist du schnell gereizt und reagierst emotional auf deine Mitmenschen.

Vielleicht versuchst du deine Übererregung durch exzessiven Sport auszugleichen. Oder du arbeitest ununterbrochen, stellst unrealistische Anforderungen an dich selbst und musst immer etwas zu tun haben.

Steckst du eher im Freeze-Modus fest, dann hast du meist das Gefühl, dass deine Handbremse klemmt und du es nicht schaffst, sie aus eigener Kraft wieder zu lösen. Vielleicht fühlst du dich benebelt und leer. Es ist möglich, dass sich dein Nervensystem-Zustand durch Depression, Vergesslichkeit, Tollpatschigkeit und wenig Energie zeigt. Auch wenn du ausreichend Schlaf hattest, ändert sich oftmals nichts an deiner chronischen Müdigkeit.

Eventuell neigst du in diesem Zustand zu Prokrastination, Vermeidung bestimmter Dinge, Binge-Watching von Netflix oder Fernsehen und Isolation von bestimmten Orten oder Situationen.

Diese Zustände der Hypervigilanz, also übermäßigen Wachsamkeit, oder der dauerhaften Unterkoppelung, beeinflusst unsere Gedanken, Handlungen und natürlich auch Beziehungen. Unter anderem äußert sich komplexes Trauma in den folgenden Symptomen:

 

  • Emotionale Flashbacks
  • Schwierigkeit die eigenen Emotionen zu regulieren
  • Übererregung und Alarmbereitschaft
  • Angstzustände und Panikattacken
  • Dissoziation und Erinnerungslücken
  • Depression
  • Schlafprobleme und Albträume
  • Schwierigkeiten in Beziehungen oder Beziehungsangst
  • Geringes Selbstwertgefühl und negative Selbst-Wahrnehmung
  • Meidung bestimmter Personen, Orte und Szenarien, die überfordern
  • Physische Symptome, wie Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder ein geschwächtes Immunsystem

 

Auf einige dieser Symptome möchte ich im Folgenden gern noch näher eingehen.

Emotionale Flashbacks

Da sich unser Nervensystem nach dem Erleben von komplexem Trauma oftmals in einem Zustand dauerhafter Alarmbereitschaft befindet, können bereits alltägliche Situationen starke emotionale Flashbacks hervorrufen. Diese emotionalen Flashbacks treten, anders als herkömmliche Flashbacks, ohne die damit verbundenen Bilder auf.

Oft wissen wir nicht, was diese heftigen Emotionsausbrüche, von Angst bis hin zu einem Gefühl des Verlassenwerdens, ausgelöst hat. Falls doch, bringen wir sie vorrangig mit einer triggernden Situation im Hier und Jetzt in Verbindung. Wir sind uns nicht bewusst, dass es sich bei ihnen eigentlich um Gefühle handelt, die wir in den traumatischen Situationen unserer Kindheit gefühlt haben.

Wir können also als Erwachsene in absolute Panik davor verfallen, verlassen zu werden, ohne uns daran zu erinnern, dass wir als Kind ebenso Verlustangst gegenüber unseren Bezugspersonen verspürten.

Angstzustände

Menschen, die mit komplexem Trauma leben, verspüren häufig Angst vor Situationen oder Dingen, die ihr Nervensystem als Bedrohung wahrnimmt. In Wirklichkeit sind sie jedoch nicht lebensbedrohlich. Zwar verstehen sie kognitiv, dass es sich um keine echte Bedrohung handelt, dennoch empfinden sie die Symptome ihrer Angst als ginge es um Leben oder Tod.

Panikattacken sind der Ausdruck mobilisierter Überlebensenergie in unserem Körper. Unser Nervensystem möchte uns dadurch in Sicherheit bringen. Das Unterdrücken von Panikattacken kann die Situation noch weiter befeuern, da die überschüssige Energie nicht aus dem Körper geleitet wird.

Langfristig kann das Unterdrücken der Stressreaktionen dazu führen, dass unser Körper resigniert und unser Nervensystem in den sogenannten Freeze-Modus übergeht, weil alles zu viel ist. Dieser äußert sich häufig durch Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit, tiefe Traurigkeit und depressiven Zuständen.

Anspannung & innere Unruhe

Wenn unser Körper durch eine dauerhafte Alarmbereitschaft kontinuierlich mit Stresshormonen geflutet wird, führt das automatisch dazu, dass sich unsere Muskeln anspannen, um sich gegen Verletzungen und Schmerz zu wappnen. Dauerhaft angespannte Muskeln führen dann zu weiteren Symptomen, wie Nacken-, Kopf-, Kiefer- oder Rückenschmerzen.

Menschen mit komplexem Trauma erleben aufgrund alltäglicher Trigger, Situationen, in denen ihr Kampf- oder Fluchtmodus anspringt, ohne, dass tatsächliche Lebensgefahr bestünde.

Stell dir vor du erhältst eine News-Notification auf dein Handy. Die Covid-19 Fallzahlen steigen wieder und auf den Intensivstationen wird die Triage zum Einsatz kommen. Während du diese Meldung liest, schüttet dein Körper Kortisol und Adrenalin aus. Dein Nervensystem befindet sich im Kampf- und Flucht-Modus. Es will dich in Sicherheit bringen, weit weg von den schockierenden Neuigkeiten.

Vielleicht verspürst du eine innere Unruhe. Durch die Ausschüttung des Adrenalins mobilisiert dein Körper zusätzliche Energie, um dich auf die Flucht vorzubereiten. Wenn sich dieses Gefühl unangenehm für dich anfühlt, versuchst du dich wahrscheinlich abzulenken.

Entweder du stürzt dich in das Durchscrollen deines Instagram-Feeds oder du machst dir eine Netflix-Serie an. Statt deine Stressreaktion zu vervollständigen, unterbrichst du sie. Dein Nervensystem befindet sich aber immer noch im Kampf- und Fluchtmodus. Die mobilisierte und überschüssige Energie verbleibt im Körper und du kannst sie als dauerhafte innere Unruhe spüren.

Da Menschen mit komplexem Trauma meist als Kind nicht gelernt haben, das Ungleichgewicht ihres Nervensystems wieder in Balance zu bringen und den Kreislauf ihrer Stressreaktion zu vervollständigen, bleiben überschüssige Energie und die Symptome Anspannung und innere Unruhe dauerhaft im Körper.

Kann ich komplexes Trauma selbst heilen?

Ein komplexes Trauma lässt sich nicht über Nacht heilen. Oftmals ist der Heilungsprozess sehr langwierig und dauert mehrere Jahre an. Wenn wir zwei Schritte nach vorn gegangen sind, kommt meist irgendwann der Moment, in dem wir wieder einen Schritt zurück gehen. Trotzdem gibt es Hoffnung und eine Heilung ist definitiv möglich. Zwar hören die emotionalen Flashbacks nie ganz auf, aber sie werden viel seltener und weniger intensiv.

Ich erinnere mich noch genau an meinen Ehrgeiz zu Beginn meiner Therapie: „Jetzt aber los!“, dachte ich mir. „Und in einem Monat geht es dir dann endlich besser und du hast das Problem gelöst.“ Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass Traumaheilung aus ganz vielen winzigen Schritten besteht, die wir oftmals erst rückblickend erkennen und zu schätzen wissen.

Wenn ich heute zurückblicke auf den Weg, den ich während meines Heilungsprozesses inzwischen zurückgelegt habe, bleibt mir der Mund offen stehen und ich bin wahnsinnig stolz. In der jeweiligen Situation jedoch, habe ich meinen Heilungsfortschritt immer als sehr minimal wahrgenommen.

Mittlerweile bin ich ein großer Fan dieses achtsamen und langsamen Tempos. Heutzutage muss alles immer schnell, schnell gehen. Dabei ist das überhaupt nicht unsere Natur. Eine eher gemächliche Geschwindigkeit ist deshalb so wichtig, damit wir überhaupt wahrnehmen können, was genau in unserem Körper passiert, wenn wir getriggert werden und unterbewusst flüchten oder kämpfen wollen. Nur durch eine gezielte Entschleunigung lernen wir, all diese Dinge überhaupt wahrzunehmen.

Durch unseren Heilungsprozess erlangen wir unsere Handlungsfähigkeit zurück. Wir sind unseren emotionalen Flashbacks nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern lernen, uns selbst zu regulieren.
Dank achtsamer Körperwahrnehmung beobachten wir täglich, wann unser Nervensystem von der Entspannung in den Kampf- oder Fluchtmodus wechselt oder wann wir vielleicht im Freeze-Modus gedanklich abdriften.

Entsprechende Körperübungen und Tools schenken uns die Möglichkeit, unsere Resilienz, d.h. unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken und uns zu erden, damit wir häufiger im Hier und Jetzt ankommen können.

Auf dem Weg der Heilung kannst du selbst viel dafür tun, dass dein Heilungsprozess beschleunigt wird. Allerdings ist die Begleitung durch einen ausgebildeten Therapeuten wichtig und hilfreich. Da komplexes Trauma in unseren Körpern sitzt, helfen gesprächsorientierte Therapieverfahren Personen mit Kindheitstrauma eher selten. Wir können uns nicht aus unserem Trauma „herausreden“.

Es gibt verschiedene körperorientierte Therapieverfahren, die sich für Menschen mit Kindheitstrauma als sehr heilsam erweisen. Narm, Somatic Experiencing, Hakomi und Compassionate Inquiry sind einige Beispiele für solche Therapien. Ich selbst habe auf dem Weg meiner eigenen Heilung sehr gute Erfahrungen mit meiner Somatic Experiencing Therapeutin gemacht.

Professionelle Hilfe durch entsprechend ausgebildete Therapeut*innen schenkt dir Sicherheit und die Möglichkeit einer gesunden Co-Regulation durch das ausgeglichene Nervensystem einer anderen Person. Vor allem wenn wir als Kinder nie gelernt haben, wie wir uns selbst regulieren und beruhigen können, hilft uns die Co-Regulation durch TherapeutInnen dabei, Selbstregulation einfacher zu erlernen.

Zwischen deinen Therapiesitzungen kannst du selbstheilend viel dafür tun, deinen Körper zu unterstützen und aus alten Mustern auszubrechen. Mit meinen traumasensitiven Selbstfürsorge Karten, den Self Care Secrets, lernst du genau, was du zwischen deinen Therapiesitzungen tun kannst. Ich gebe dir wertvolles Wissen und praktische Tools rund um dein Nervensystem, Achtsamkeit, Emotions-Regulation und deine Selbstregulation an die Hand.

Körperübungen für die Heilung von komplexem Trauma

Es gibt verschiedene Körperübungen, die du in deinen Alltag integrieren kannst, um deine Körperwahrnehmung zu verbessern, deine Fähigkeit zur Selbstregulation zu schulen und eine Verbindung zwischen deinem Verstand und deinem Körper herzustellen.

Grounding bzw. Erdungs-Übungen

Erdungs-Übungen können dir dabei helfen in deine Mitte zu finden und dich im Hier und Jetzt zu verankern. Besonders bei emotionalen Flashbacks, Angstzuständen und Dissoziation ist es oftmals hilfreich, wenn du dich erdest.

Nicht jede Übung ist für jeden gleichermaßen nützlich und angenehm. Am besten probierst du aus, womit du dich am wohlsten fühlst. Wann immer du dich mit einer Übung unwohl fühlst, ist das ein Zeichen dafür, dass für deinen Körper ein anderes Tool vielleicht besser passt. Es ist nichts falsch mit dir und du solltest dich auf keinen Fall dazu zwingen die Übungen durchzuführen, wenn du dich nicht gut damit fühlst. Du hast die Möglichkeit, stattdessen etwas anderes auszuprobieren, denn es gibt soooo viele verschiedene und tolle Übungen, die dir dabei helfen zurück in das Hier und Jetzt zu kommen.

Mit den folgenden Tools, hast du die Möglichkeit, dich in den jetzigen Moment zurückzuholen:

  • Lasse Wasser über deine Hände laufen.

Beginne mit kaltem Wasser und spüre, wie sich die kalte Temperatur auf deiner Haut anfühlt.
Spüre in die einzelnen Abschnitte deiner Hand hinein, deine Nägel, deine Fingerglieder, deine Handfläche und dein Handgelenk. Verändere nun die Temperatur auf warmes Wasser und beobachte, wie sich das Gefühl in deiner Hand verändert. Lass das Wasser so lange laufen, bis du dich beruhigt hast.

  • Nimm dein liebstes ätherisches Öl zur Hand und rieche daran

Konzentriere dich voll auf den Duft deines Öls. Atme langsam ein und noch langsamer wieder aus. Wie riecht es? Beschreibe seinen Duft in drei Worten. Stell dir vor, wie sich sein Duft beim Einatmen ganz langsam schützend in deinem Körper ausbreitet.

Visualisierung und Ressourcen

Bei der Visualisierung eigener Ressourcen lenkst du deine Aufmerksamkeit auf bestimmte Wahrnehmungen in deinem Körper, die idealerweise positiver sind, als deine Gefühle, die du während eines emotionalen Flashbacks erlebst. Bis dir das erfolgreich gelingt, kann etwas Zeit vergehen. Deshalb empfehle ich dir, diesen Prozess mit ausgebildeten Somatic Experience TherapeutInnen zu beginnen.

Wann immer du belastende Gefühle, Gedanken oder Körperempfindungen wahrnimmst, kannst du Visualisieren und auf deine Ressourcen zurückgreifen. Dabei konzentrierst du dich darauf, ein sicheres Gefühl in deinem Verstand und Körper hervorzurufen, um etwas deines emotionalen Stresses loslassen zu können.

Eine Übung, um deine Ressourcen zu visualisieren, ist folgende:

  • Kreiere einen sicheren Platz in deinem Kopf

Das kannst du entweder tun, indem du dich an einen Ort oder eine Zeit erinnerst, an dem oder in der du dich sicher und glücklich gefühlt hast. Du kannst dir aber auch einen ganz neuen Ort vorstellen, den du noch nicht besucht hast, oder den es bisher nicht gab. Stell dir die Farben, die Gerüche und Geräusche vor, wenn du magst. Vielleicht hast du auch Lust, dir vorzustellen, wie sich dein Körper dort anfühlt und dich darauf zu konzentrieren, wie wohl du dich fühlst.

Selbstregulation

Bei der Selbstregulation deines Nervensystems geht es darum, dich selbst sicher durch deine emotionalen Flashbacks und wechselnden Nervensystem Zustände zu leiten. Sollten dich deine Gefühle einmal drohen zu überwältigen, hilft dir Selbstregulation dabei, einen Gang zurückzuschalten. Die folgende Übung kannst du anwenden, wenn du dich selbst regulieren möchtest:

  • Umarme dich selbst

Du kannst zum Beispiel deine rechte Hand auf dein Herz legen und anschließend deine linke Hand auf deine rechte Schulter. Ich lege gern meine rechte Hand unter meine linke Achselhöhle und halte mit meiner linken Hand meinen rechten Oberarm fest. Indem du dich selbst hältst, schenkst du dir und deinem Körper einen sicheren Rahmen.

Mehr Übungen dieser Art, die dir dabei helfen, deine Selbstregulation zu schulen, dein Nervensystem in Balance zu bringen und deine Körperwahrnehmung zu verbessern, habe ich in meinem Mini-E-Book „10 Körperübungen zur Beruhigung deines Nervensystems“ für dich zusammengestellt.

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Körperübungen Hanna Werner

Komplexes Trauma: Heilkräuter für die Heilung

Um deinen Körper während deines Heilungsprozesses und auch darüber hinaus optimal zu unterstützen, kannst du ebenfalls verschiedene Heilkräuter anwenden. Insbesondere Kräuter, die heilsam für dein Nervensystem sind, können wahre Wunder bewirken.

Die Passionsblume (Passiflora incarnata)

Das wohl bekannteste Nerven-Tonikum ist die Passionsblume (Passiflora incarnata). Sie kann dich dabei unterstützen Stress und Anspannung aus deinem Körper zu lösen. Vor allem, wenn du unter Muskelverspannungen leidest, bringt sie Linderung. Außerdem senkt sie deinen Blutdruck und verbessert deinen Schlaf. Wenn du deine Gedankenkreise beruhigen möchtest, dann ist die Passionsblume ebenfalls eine starke Verbündete.

Du kannst sie als Tee oder als Tinktur zu dir nehmen. Empfehlenswert sind 1-4 Tassen des aufgebrühten Krautes pro Tag oder 10-30 Tropfen der Tinktur drei Mal am Tag.

 

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) unterstützt dich bei der Heilung von Trauma, Depression, Angst und Stressreaktionen. Wenn du dich down fühlst, schafft sie es deine Stimmung zu heben. Gleichermaßen gelingt es ihr jedoch auch, dich zu beruhigen, wenn du unter innerer Unruhe oder Angstzuständen leidest. Eine Dosierung von 1-4 Tassen Melissentee pro Tag oder 5-30 Tropfen der Tinktur drei Mal am Tag.

Eine detaillierte Beschreibung der Heilkräuter, die du unterstützend während deiner Traumaheilung einsetzen kannst, habe ich dir in meinem Mini-E-Book „3 Heilkräuter für die Traumaheilung“ zusammengefasst.

Schreib mir gern in die Kommentare, ob du Interesse an weiteren E-Books zum Thema Körperübungen oder Heilkräutern zur Nervensystemregulation und Traumaheilung hast! Ich freue mich ebenfalls, wenn du deine Erfahrungen mit komplexen Trauma mit mir in den Kommentaren teilst.

 

Bitte beachte, dass es sich bei meinen Angeboten und den Inhalten meiner Webseite nicht um Psycho- oder Traumatherapie handelt und sie nicht das Heilen von körperlichen Beschwerden zum Ziel haben. Meine Angebote dienen ausschließlich der Verbesserung deiner Lebensqualität und richten sich an Menschen, die ihr Potenzial entfalten und einen neuen Umgang mit bestimmten Lebensbereichen erlernen wollen. Falls du gesundheitliche Probleme hast, körperlicher oder psychischer Form, lege ich dir sehr ans Herz ärztlichen Rat einzuholen oder die Hilfe von Therapeut*innen in Anspruch zu nehmen.
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